Frohe Weihnachten!

fairTV wünscht allen Mitgliedern, Partnern, Freunden, Kollegen und Unterstützern besinnliche und erholsame Feiertage!
Rutscht gut ins neue Jahr und freut Euch über die gemeinsam errungenen Fortschritte.

Und denkt bei allen Überlegungen rund um unsere Berufe immer daran:
Wir liefern eines der kostbarsten Produkte unserer Zeit: Kreativität.
Fordern wir gemeinsam die Anerkennung dafür ein, die uns zusteht!

Euer fairTV-Team

Die Musterbriefe 2018 sind da!

Auch in diesem Jahr unterstützt fairTV wieder interessierte Film- und Fernsehschaffende bei der notwendigen Honoraranpassung zum Jahreswechsel. Dafür wurden aus Leipzig die alljährlichen Musterbriefe bundesweit an Editoren, Kameraleute und Assistenten verschickt.

Auf vielfachen Wunsch und nach Beschluss der Mitgliedervollversammlung sind in diesem Jahr die Briefe um einiges länger, dafür aber randvoll mit guten Argumenten zur fairen Preisgestaltung. Das sollte sie auch für alle interessant machen, die ihre Honorare lieber in persönlichen Verhandlungen mit ihren Auftraggebern diskutieren.

Außerdem gibt es erstmals eine Briefvorlage, mit der das Honorar vollständig neu definiert werden kann – perfekt geeignet für all jene, die lange Zeit nicht verhandelt oder vom Musterbrief erst kürzlich erfahren haben.

Noch keinen Musterbrief erhalten? Interesse an der Aktion? Einfach eine eMail an aktion(at)fairtv(dot)net senden. Gern stehen wir auch für weitere Fragen zur Verfügung.

Euer fairTV-Team

Entscheidung des Bundessozialgerichtes – fairTV überarbeitet seine Empfehlungen

Wie bereits im Frühjahr angekündigt, hat fairTV nun einen Beschluss der Mitgliedervollversammlung umgesetzt und seine Empfehlungen für selbstständige Editoren, Kameraleute und Assistenten grundlegend überarbeitet.

Angesichts der Entscheidung des Bundessozialgerichts sieht sich fairTV nicht mehr in der Lage, jegliche Tageshonorare für Selbstständige unter 420 Euro (Kamera und Schnitt) sowie 310 Euro (Tonassistenz) als „Empfehlung“ zu bezeichnen (Berechnungsgrundlage). Außerdem haben inzwischen mehrere Berufsverbände ihre eigenen Empfehlungen veröffentlicht. fairTV erkennt deren Kompetenz uneingeschränkt an und möchte nicht mit abweichenden Zahlen verwirren.

Zukünftig wird es daher keine eigenen „Empfehlungen“ von fairTV mehr geben. Dennoch soll allen Selbstständigen eine Leitlinie an die Hand gegeben werden, um ihre Verhandlungen zu unterstützen. An die Stelle der bisherigen „Empfehlungen“ tritt daher neben dem Zitat der Berufsverbände eine auf einzelne Regionen bezogene Einschätzung des Vereins, welche Tageshonorare für Selbstständige dort jeweils für durchsetzbar gehalten werden. Grundlage dafür sind Angaben der Mitglieder von fairTV sowie von Film- und Fernsehschaffenden, die in der Region erfolgreich tätig sind.

Vorerst bleiben diese Zahlen nur für Mitteldeutschland verfügbar, an einer Ausweitung auch auf andere Regionen wird gearbeitet.

Euer fairTV-Team

5 Jahre fairTV!

Liebe fairTV-Mitglieder,

unser Verein wird heute 5 Jahre alt! 5 Jahre voller spontaner Treffen, voller nächtlicher Sitzungen, voll von hitzigen wie fruchtbaren Diskussionen, voller wilder Telefonkonferenzen, voller Recherchen, immer auf der Suche nach Strategien, Argumenten und guten Formulierungen. 5 Jahre voll vom Ringen um die Antwort auf die Frage: Was ist eigentlich „fair“?

5 Jahre voller Hoffnung. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

Vielleicht erinnern sich einige von Euch daran, als am 03.10.2012 in einem Leipziger Wohnzimmer die ersten Unterschriften unter die offizielle Satzung gesetzt wurden. Dem voraus ging das inzwischen legendäre Treffen an der „Gründungseiche“ im Sommer 2012, bei dem es, wie schon bei früheren Treffen, viel Wut über die „Friss oder stirb“-Mentalität von Sendern und Produzenten, nun endlich aber auch konstruktive Vorschläge zur Verbesserung gab. Erstmals erreichten wir in diesem Kreis Einigkeit, dass es ohne organisierten Widerstand, ohne Konfrontation mit Sendern und Produzenten, ohne Risiko des Scheiterns keinen Erfolg geben würde. Eine wichtige, wenn nicht gar die wichtigste Erkenntnis überhaupt! Wir dürfen sie niemals vergessen.

Inzwischen haben wir sehr viel erreicht, und darauf können wir stolz sein! Nicht nur arbeiten alle fairTV-Mitglieder im Großraum Leipzig nur noch 8h für ihr Geld*, die ersten fleißigen Musterbriefschreiber haben in diesem Jahr erfolgreich die 300-Euro-Marke beim Tagessatz überschritten und werden dennoch gebucht. Wer hätte sich das vor 5 Jahren träumen lassen? Zur (traurigen) Erinnerung: im Sommer 2012 arbeiteten die meisten Editoren in und um Leipzig herum für 200-240 Euro am Tag, und zwar 10 Stunden lang. Alle Nicht-Mitteldeutschen im Verein werden an dieser Stelle vielleicht etwas müde lächeln müssen, ist doch anderenorts der 300-Euro-Satz schon länger eher eine Untergrenze, weit entfernt von den Empfehlungen der Berufsverbände (vgl. BFS: um 650-850€, Rechnungsteller). Es gibt also weiterhin viel zu tun hier in der Region!

Auch außerhalb des MDR-Sendegebietes konnten wir Entwicklungen in Bewegung bringen, indem wir uns zunehmend in der gesamtdeutschen Medienpolitik engagieren und auch dort mit zielsicheren, abgewogenen und stringent begründeten Argumenten Gehör finden. So befindet sich fairTV inzwischen in konstruktivem Dialog mit Intendanten, Fernsehdirektoren, Vorständen von Produzenten- und Berufsverbänden, Spitzenvertretern von Bundestagsfraktionen einiger Parteien, ja sogar Ministerpräsidenten. All das ist natürlich ein langwieriger Prozess. Und es sind ja auch dicke Bretter, die hier gebohrt werden müssen: Viele Strukturen (auch die der regelmäßigen Ausbeutung von freien Mitarbeitern und Selbstständigen im Vergleich zu Festangestellten) sind über Jahrzehnte eingeschliffen und schwer aufzubrechen. Dafür werden wir auch weiterhin einen langen Atem brauchen.

Was mich zum Wichtigsten bringt: Ich möchte mich im Namen des Vorstandes an dieser Stelle bei Euch allen für die wunderbare Zusammenarbeit bedanken! Ohne Euch, das ist sicher, wären diese Erfolge nicht möglich gewesen!!! Wir halten zusammen, dafür werden wir belohnt.


Habt alle einen schönen Feiertag und eine schöne Zeit!

Herzliche Grüße

Guntram Schuschke

Erst Tageshonorare ab 420 Euro (Beispiel: Editoren) sind Argument gegen Scheinselbstständigkeit

Nach dem Urteil des Bundessozialgerichts ist klar: auch die Honorarhöhe entscheidet über den Status als Selbstständiger. Und dies umso mehr, als die hinlänglich bekannten Kriterien – „nicht weisungsgebunden“, „nicht ortsgebunden“, „nicht in die Organisationsstruktur des Unternehmens eingebunden“ etc. – nach Aussage unserer Mitglieder in Streitfällen immer weniger Beachtung finden. Bleibt die Frage, ab welcher konkreten Honorarhöhe eine Scheinselbstständigkeit in Film- und TV unwahrscheinlich wird.

Dazu könnte als Grundlage der einzige existierende Tarifvertrag für auf Zeit beschäftigte Film- und TV-Schaffende, der TVFFS, herangezogen werden. Dort wird die Wochenmindestgage für auf Zeit angestellte Editoren mit 1508 Euro angegeben, was in einem Tagessatz von ca. 300 Euro für nicht Selbstständige resultiert. Ver.di empfiehlt in seinem „Code of Practice“ einen Aufschlag von mindestens 40% für die Selbstständigkeit, was zu einem Tagessatz von 420 Euro zzgl. MWSt. führt – wohlgemerkt als Untergrenze, was nur auf Berufsanfänger anwendbar wäre.

Ein anderer Ansatz nimmt die Rechtssprechung des Bundessozialgerichts noch deutlicher beim Wort, das sich auf „die übliche Vergütung eines Festangestellten“ bezieht. Hier wären im Bereich Film- und Fernsehen die üblichen Festangestellten vor allem in den öffentlich-rechtlichen Sendern zu suchen. Dort werden gemäß Tarifvertrag z.B. im MDR Monatsgehälter zwischen 3.949 und 6.347 Euro brutto für Editoren und Kameraleute bezahlt*. Das derzeit laufenden Equal-Pay-Projekt von fairTV in Zusammenarbeit mit Langer Media Consulting errechnet daraus mit den Instrumenten der Wirtschaftswissenschaft und Statistik einen angemessenen Tagessatz für Solo-Selbstständige. Das Ergebnis der ersten Hochrechnungen: Mindestens 600 Euro Tagessatz (Berufseinsteiger) wären nötig, um bei aktuellen Gegebenheiten und durchschnittlicher Auslastung zu einem entsprechenden Monatseinkommen (Untergrenze) zu führen und entsprechend als Argument gegen Scheinselbstständigkeit nutzbar zu sein.

Erwähnenswert sind auch die Honorarempfehlung des BVFK für Solo-Selbstständige (min. 580 Euro) und der Gagenkompass des BFS (min. 650 Euro), welche beide auf unterschiedlichen Wegen zu einem ähnlich gelagerten Ergebnis gelangen wie fairTV im Equal-Pay-Projekt.

Klar ist in jedem Fall: die Honorare für soloselbstständige Film- und TV-Schaffende müssen deutlich steigen, um in Zukunft bei dem Vorwurf der Scheinselbstständigkeit als Entlastungsargument herangezogen werden zu können. Wir wissen allerdings auch, dass derzeit solche Honorare nicht durch die Budgets der Fernsehsender abgedeckt werden.

fairTV ruft daher alle Produzenten und technischen Dienstleister dringend dazu auf, die Auftrag gebenden Sender umgehend mit diesen neuen Fakten zu konfrontieren, sofort in Nachverhandlungen über budgetierte Tageshonorare in oben genannter Höhe einzutreten und die ausgehandelten Anpassungen direkt an die Solo-Selbstständigen weiterzugeben. Anderenfalls dürften in naher Zukunft schmerzliche Nachzahlungen an die Sozialkassen drohen.

Alle soloselbstständigen Film- und Fernsehschaffenden rufen wir auf, die oben genannten Honorare bei Honorarverhandlungen immer im Hinterkopf zu behalten und sich dem möglichst anzunähern – die drohende Gefahr der Scheinselbstständigkeit bei zu niedrigen Honoraren sollte dabei in Zukunft immer angesprochen werden.

Euer fairTV-Team

* Quelle: MDR-Organisationshandbuch, Stand 27. Mai 2014, inkl. 13. Monatsgehalt, nur Angestellte ohne „Junior“ oder „Senior“-Status

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